Die Lateinschüler:innen der Jahrgänge 11-13 haben sich vom 21.-25. Oktober auf die Reise nach Neapel begeben, um den alten Römern in Pompeji, Herculaneum und Co. ein wenig näher zu kommen. Aber nicht nur die „tote“ Sprache und ihre damaligen Sprecher standen auf dem Plan. Auch die neapolitanische Küche und das wuselige Leben in der Stadt am Vesuv sollten nicht zu kurz kommen.
Ein kurzes Reisetagebuch von M.O. (Jg. 12)
Tag 1
Start in Bremen. Zwei Flüge und einen kurzen Fußmarsch später sitzen wir in einem Bus aus den 80ern mit einem talentierten Busfahrer, welcher ohne Probleme den Bus durch die kurvige Berggegend am Fuße des Vesuvs navigiert. Auf der letzten Etappe unserer Anreise können wir auch erste Eindrücke von Süditalien und dem dortigen Verkehr sammeln – ein unterhaltsames Chaos.
Nach insgesamt langer Anreise ist es endlich geschafft, wir sind in der Unterkunft angekommen. Die Bungalows enttäuschen zuerst mit ihrer Aufmachung: eine Toilette mit beschädigter Brille, eine funktionsunfähige Klimaanlage und durchmischtes Geschirr, doch auch das kann unsere Vorfreude auf die bevorstehenden Aktivitäten nicht trüben.
Herr Riehn lädt die Gruppe zu einem gemeinsamen Plenum ein, es gibt eine inhaltliche Einführung zu der Gegend, der Geschichte Italiens, Neapels und den Ausgrabungen in Pompeji. Der dann doch bereits weit fortgeschrittene Tag wird im Anschluss mit der ersten authentischen italienischen Pizza beendet. Auch der Restaurantbesuch auf eigene Faust liefert erste Eindrücke der italienischen Kultur.
Die nach dieser langen und erschöpfenden Anreise wohlverdiente Bettruhe wurde leider nachts von anderen Deutschen, die sich im Bleu Village temporär niedergelassen hatten, für einige torpediert.
Tag 2
Die Hitze ist bereits morgens spürbar, der Frühstücksschinken schwitzt genauso wie wir. Das Frühstück besteht typisch italienisch aus einem optionalen Kaffee (hier Americano genannt) und einem italienischen Hörnchen, welches mit einem süßen Aufstrich oder mit einem herzhaften Aufschnitt genossen werden kann. Der Kaffee ist leider im Gegensatz zum Hörnchen nicht authentisch italienisch, er kommt aus dem Automaten und enttäuscht geschmacklich.
Die Stimmung ist mindestens teilweise gedrückt: die törichte Annahme, dass auch in Italien die Mücken Ende Oktober nicht mehr stechen, wird einigen zum Verhängnis. Die Mücken stechen viel und gerne, nachts sowie tagsüber.
Doch ein Lichtblick ist am Ende des Tunnels: Unser Besuch in Pompeji.
Das frühe Aufstehen und die Bahnfahrt sowie der Fußweg lohnen sich! Es ist kaum möglich, noch näher an das Alltagsleben der alten Römer zu gelangen als durch einen Besuch in Pompeji. Die Ruinenstadt imponiert und Dank Herrn Riehns Organisationstalent haben wir den Park die ersten zwei Stunden fast völlig für uns. Herr Riehn beeindruckt ferner durch sein Wissen und teilt dieses zum Glück mit uns. Er führt uns erst durch die Stadt und entlässt uns dann zur Erkundung auf eigene Faust.
Nächster Halt: Herculaneum. Die museale Stadt ist deutlich kleiner als Pompeji, doch was ihr an Größe fehlt, macht sie durch Qualität und Zustand der Überreste wett. Der schaurige Höhepunkt der Stadt sind dann schließlich die Bootshäuser mit den antiken Überresten von Opfern des Vulkanausbruches.
Alles in Allem ein sehr guter Tag.
Tag 3
Der erste Versuch, nach Neapel zu gelangen, scheitert: Die Bahn streikt halbtägig, natürlich typisch italienisch: unangekündigt. Der Museumsbesuch muss auf den nächsten Tag verschoben werden. Alternativ wird ein zweites Frühstück in der Bar genossen, im Meer gebadet oder ein wenig Schlaf nachgeholt. Mittags geht es dann aber endlich nach Neapel. Die Bahn ist brechend voll, 1h 05min stehen wir eng an eng, dann sind wir in Neapel, noch eine kurze Fahrt mit der U-Bahn und Ankunft an einem schönen kunstvoll gestalteten U-Bahnhof (Toledo). Nun sind wir am Startpunkt von Herrn Riehns Tour, am Beginn der Quartieri Spagnoli: Enge Gassen, unzählige Vespas, mindestens ebenso viele Bildnisse von Diego Armando Maradona (nach San Gennaro der zweite „Stadtheilige) – hier schlägt das Herz Neapels.
Herr Riehn zeigt uns Neapel und präsentiert dem zunächst skeptischen Zuschauer eine heruntergekommene Stadt mit wenig Charme mit der Inbrunst eines Frischverliebten. Die Stadt ist hässlich und laut, doch hat sie auch etwas Romantisches an sich. Sie ähnelt einem Mafia-Film aus den 80ern und hat ihre vollkommen eigene Mentalität.
Herr Riehns Tour endet bei der Untergrundtour durch die alten Aquädukte und Zisternen. Ein (wahrscheinlich indischer) Tourguide übernimmt und führt uns durch die verlassenen Aquädukte und Bunker in Neapels Untergrund. Sein Akzent ist anfänglich schwer zu verstehen, doch er kann durch sein Wissen und seinen Humor überzeugen. Die Tour ist sehr informativ und gipfelt in einem unerwarteten Höhepunkt: dem alten Amphitheater. Es verbirgt sich heute in einem alten Haus, das auch in Teilen noch bewohnt ist. Hier wurde im wahrsten Sinne des Wortes einfach aufgebaut. Geschichte überlagert sich hier bzw. greift ineinander. Sogar ein Airbnb-Apartment ist heute darin untergebracht. Natürlich ohne Genehmigung, wie uns der Guide wissen ließ. Neapel lässt grüßen.
Nach der Tour werden wir zur eigene Erkundung Neapels entlassen. Manche shoppen, andere essen. Spät abends geht es wieder zurück mit der Bahn. Zwei Personen mussten allerdings Taxi fahren. Der spontan wieder aufgenommene Streik und eine Verspätung am Treffpunkt verhinderten die angestrebte Fahrt mit der Circumvesuviana.
Erneut halten sich unsere Nachbarn nicht an die Nachtruhe und rauben uns den wichtigen Schlaf. Doch das Schlimmste kommt erst noch: mitten in der Nacht beginnen sie Anti-Werder-Rufe zu skandieren.
Tag 4
Jetzt endlich: der Besuch des archäologischen Nationalmuseum Neapels. Die ausgestellten Fresken und Mosaiken laden zum Staunen ein, es ist viel beeindruckender als in Pompeji, die Präzision und Farben, die nach all der Zeit immer noch erhalten sind, rauben einem den Atem. Leider befand sich das Alexander-Mosaik während unseres Besuchs in Restaurierung. Das Museum hat viel zu bieten, da ist für jeden etwas dabei, von obszöner erotischer Kunst bis hin zu riesigen Statuen und antiken Alltagsgegenständen hat das Museum alles. Besonders beeindruckend ist der Saal im zweiten Stockwerk, auch wenn er keinen vergleichbaren historischen Wert innehält, beeindruckt er durch seine elegante Gestaltung und schöne Kunst. Zweiter Stock: verbrannte Papierrollen aus der Villa dei Papiri. Bemerkenswert ist zudem die erstaunliche Ähnlichkeit der Alltagsgegenstände vergangener Zeiten zu den unserer heutigen Zeit, Schüsseln, Schlüssel, Becher, Geschirr sind fast identisch.
Anschließend erhalten wir erneut die Möglichkeit, Neapel auf eigene Faust zu erkunden. Herr Riehn gibt uns dabei Orientierungspunkte, etwa den Dom zu besuchen oder den Berg Vomero, um dort ein Schloss zu erkunden und einen atemberaubenden Blick auf die Stadt Neapel zu erhaschen. Der Rückweg wird uns überlassen.
Wieder im Bleu Village angekommen, heißt es: aufräumen, packen und putzen.
Der Tag endet mit einem gemeinsamen Abendessen im TicoTico und der verdammt frühen Abreise um 02:45 Uhr.




